Ratgeber · Ernährung bei Beschwerden
Kurz gesagt: Ob ein Futterbestandteil hinter Juckreiz, entzündeten Ohren oder wunden Pfoten steckt, zeigt dir kein Sortenwechsel und kein Bluttest, sondern eine konsequente Ausschlussdiät. Dein Hund bekommt dafür rund acht Wochen lang nur eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle, die er noch nie gefressen hat, und sonst nichts. Danach führst du frühere Zutaten einzeln wieder ein und siehst, worauf er reagiert. Parallel lohnt sich der Blick auf Darm und Haut, denn dort entscheidet sich, wie stark der Körper überhaupt reagiert.
Du hast schon so vieles versucht. Getreidefrei, Lachs statt Huhn, die teure Sorte aus dem Fachgeschäft. Und trotzdem juckt es, trotzdem grummelt der Bauch, trotzdem sitzt ihr wieder in der Tierarztpraxis. Das liegt selten daran, dass du zu wenig ausprobiert hast. Ein reiner Sortenwechsel ist einfach nicht der Weg, um einer Futterreaktion wirklich auf die Spur zu kommen.
Inhalt
- Woran erkennst du eine Futtermittelallergie beim Hund?
- Warum zeigt sich eine Futterreaktion so oft an der Haut?
- Symptom oder Ursache: Was heißt das für den Napf?
- Warum reicht ein Sortenwechsel meistens nicht?
- Wie funktioniert eine Ausschlussdiät beim Hund?
- Wie lange dauert eine Ausschlussdiät?
- Wie findest du danach den Auslöser?
- Wie unterstützt du Darm und Haut dabei?
- Bist du bereit für den Start?
- Wo meine Arbeit endet
- Häufige Fragen
- Kernaussagen
- Dein nächster Schritt
- Quellen
Woran erkennst du eine Futtermittelallergie beim Hund?
Typisch ist ein Juckreiz, der das ganze Jahr über bleibt und auch im Winter nicht verschwindet. Oft betrifft er Ohren, Pfoten, Bauch, Achseln und den Bereich um die Rute. Viele Hunde haben dazu immer wieder entzündete Ohren, lecken sich die Pfoten wund oder knabbern ständig an sich herum. Auch Rötungen, Pusteln, Ekzeme und kahle Stellen kommen vor.
Manchmal meldet sich zusätzlich der Bauch. Dein Hund setzt öfter Kot ab, der Kot ist weich oder schleimig, er hat Blähungen oder erbricht gelegentlich.
Ehrlich bleiben muss ich an einer Stelle: So eindeutig diese Zeichen aussehen, sie sind kein Beweis. Eine Flohspeichelallergie oder eine Umweltallergie, zum Beispiel auf Pollen oder Hausstaubmilben, kann an der Haut fast genauso aussehen. Viele Hunde tragen auch mehr als eine Ursache gleichzeitig mit sich. Ob eine Allergie vorliegt, bei der das Immunsystem beteiligt ist, oder eine Unverträglichkeit, lässt sich im Alltag ohnehin kaum sauber trennen. Genau deshalb lohnt es sich, systematisch hinzuschauen, statt weiter zu raten.
Kurz für dich: Ganzjähriger Juckreiz, entzündete Ohren und wunde Pfoten sind typische Hinweise. Sicher wird es erst mit einer Ausschlussdiät.
Warum zeigt sich eine Futterreaktion so oft an der Haut?
Weil die Haut beim Hund mehr ist als eine Hülle. Sie ist ein großes Kommunikations- und Entgiftungsorgan. Was sich im Inneren anstaut, sucht sich einen Weg nach außen, und dieser Weg führt sehr oft über die Haut.
Beim Menschen übernehmen die Schweißdrüsen einen Teil dieser Arbeit. Hunde haben davon in der Haut kaum welche. Der Weg nach außen funktioniert bei ihnen deshalb nicht besonders gut. Belastungen zeigen sich dann eher als Juckreiz, Ekzem oder entzündete Ohren.
Dazu kommt der Darm. Ein großer Teil der Abwehrzellen sitzt dort, eng verbunden mit der Darmflora. Das ist die Gemeinschaft aus vielen Millionen Mikroorganismen, die im Darm lebt. Ist ihr Gleichgewicht gestört, wird die Darmschleimhaut als Schutzgrenze durchlässiger. Der Körper kommt dann mit mehr Stoffen in Kontakt, auf die er reagieren kann. Haut und Darm hängen so enger zusammen, als es auf den ersten Blick aussieht.
Kurz für dich: Die Haut zeigt oft außen, was innen nicht im Gleichgewicht ist. Darm und Haut gehören deshalb immer zusammen in den Blick.
Symptom oder Ursache: Was heißt das für den Napf?
Wer nur das Futter tauscht oder den Juckreiz überdeckt, arbeitet am Symptom. Die eigentliche Ursache sitzt meist tiefer: eine Abwehr, die aus dem Tritt gekommen ist, und ein Darmmilieu, das sich verschoben hat.
Im naturheilkundlichen Denken gibt es dafür einen alten Satz: Der Keim ist nichts, das Milieu ist alles. Gemeint ist, dass ein stabiler Organismus mit vielen Reizen gut zurechtkommt. Erst wenn das innere Gleichgewicht wackelt, werden aus kleinen Auslösern große Reaktionen. Der Auslöser im Napf ist also wichtig, aber er ist nicht die ganze Geschichte.
Für mich als Ernährungsberaterin ist das der Kern der Arbeit. Ich stelle keine Diagnose und ich behandle keine Krankheit. Eine Behandlung, die deine Tierärztin verordnet, hat ihren Platz. Ich kann mit dir gemeinsam den Napf so gestalten, dass er den Organismus stützt statt ihn zu belasten. Vorsorge und Begleitung, das ist mein Teil.
Kurz für dich: Den Auslöser zu finden ist der erste Schritt. Der zweite ist, Darm und Abwehr so zu stärken, dass der Körper gelassener reagiert.
Warum reicht ein Sortenwechsel meistens nicht?
Weil ein Wechsel von einer Sorte zur nächsten fast nie wirklich neue Zutaten bringt. Und weil er nur den möglichen Auslöser wegnimmt, nicht das geschwächte Milieu dahinter verändert.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- „Neue“ Eiweiße sind längst nicht mehr neu. Lamm, Ente, Pferd oder Lachs stecken heute in sehr vielen Futtersorten. Viele Hunde haben sie schon gefressen, ohne dass es auffällt.
- Verwandte Tiere haben ähnliche Eiweiße. Ein Hund, der auf Huhn reagiert, kann auch auf Pute reagieren.
- Auf der Packung steht nicht immer alles. Untersuchungen zeigen, dass frei verkäufliches Futter häufig tierische Bestandteile enthält, die nicht angegeben sind.
- Die häufigsten Auslöser sind Alltagszutaten. Beim Hund sind das vor allem Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen, dazu zum Beispiel Lamm, Soja und Ei. Im Grunde kann jede Zutat zum Problem werden, die lange und oft gefüttert wurde.
Kurz für dich: Ein neues Etikett heißt nicht neue Zutaten. Für eine klare Antwort braucht es ein kontrolliertes Vorgehen.
Wie funktioniert eine Ausschlussdiät beim Hund?
Eine Ausschlussdiät, auch Eliminationsdiät genannt, ist kein neues Futter, sondern ein kontrolliertes Verfahren. Dein Hund bekommt für eine feste Zeit nur eine einzige Eiweißquelle und eine einzige Kohlenhydratquelle, die er noch nie gefressen hat. Sonst nichts.
Welche Zutaten das sind, hängt ganz von der Vorgeschichte deines Hundes ab. Oft eignen sich eher ungewöhnliche Sorten wie Ziege oder Rentier, kombiniert zum Beispiel mit einer Kartoffelsorte oder einem Pseudogetreide, das er nicht kennt. Darum steht am Anfang immer eine ehrliche Liste: Was hat dein Hund in seinem Leben schon alles bekommen, auch als Leckerli?
Der wichtigste Punkt ist aber nicht die Zutat, sondern die Konsequenz. In dieser Zeit fällt alles andere weg:
- Leckerlis, Kauartikel und Kauknochen
- aromatisierte Zahnpflege
- aromatisierte Tabletten und Wurmkuren, dazu der Käse oder die Wurst zum Eingeben
- Reste vom Tisch und das Futter der Katze
- alles, was dein Hund beim Spaziergang aufsammelt
- Ergänzungen und Milchprodukte, es sei denn, sie stammen von genau der Eiweißquelle, die er gerade bekommt
Jede kleine Ausnahme kann das Ergebnis verwässern. Alle im Haushalt müssen Bescheid wissen, auch die Großeltern und der Hundesitter. Für Leckerlis nimmst du einfach etwas aus der Diätration, zum Beispiel getrocknete Stückchen derselben Fleischsorte.
Bekommt dein Hund verordnete Medikamente mit Geschmack, sprich das bitte mit der Tierarztpraxis ab. Oft gibt es eine neutrale Alternative. Setz eine verordnete Behandlung nie eigenmächtig ab.
Führe von Anfang an ein Fütterungstagebuch. Halte jeden Tag fest, was dein Hund gefressen hat, wie stark der Juckreiz ist, wie Kot und Fell aussehen. Eine einfache Skala von 0 bis 10 für den Juckreiz reicht schon. So musst du dich später nicht auf dein Gefühl verlassen.
Kurz für dich: Eine neue Eiweißquelle, eine neue Kohlenhydratquelle, sonst nichts. Die Konsequenz im Alltag entscheidet über das Ergebnis.
Wie lange dauert eine Ausschlussdiät?
Für die strenge Phase solltest du rund acht Wochen einplanen, bei hartnäckigen Hautthemen auch etwas länger. Verdauungsbeschwerden bessern sich oft schon nach zwei bis vier Wochen. Die Haut braucht mehr Zeit, weil sie sich erst erneuern muss.
Der häufigste Fehler ist, zu früh aufzuhören. Entweder weil sich nach drei Wochen noch nichts tut, oder weil es endlich besser wird und man denkt, das reicht. Beides nimmt dir die klare Antwort.
| Phase | Dauer (Richtwert) | Was passiert | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| Vorbereitung | ein bis zwei Wochen | Futter-Vorgeschichte sammeln, Zutaten wählen, Ration berechnen, alle im Haushalt einweihen | Andere Ursachen wie Parasiten vorher tierärztlich abklären lassen |
| Strenge Phase | rund acht Wochen | nur eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle | keine Ausnahmen, Tagebuch jeden Tag |
| Stabil werden | ab etwa der vierten Woche, wenn alles gut vertragen wird | einzeln Ergänzungen für futtersensible Hunde und Darmaufbau dazunehmen | immer nur eine Neuerung, Reaktionen notieren |
| Rückführung | mehrere Wochen bis Monate | frühere Zutaten einzeln wieder anbieten | jeder Zutat Zeit geben, bei Reaktion auf die „rote Liste“ |
Aus meiner Beratung weiß ich: Ungeduld wird hier meist direkt bestraft. Wenn es gerade gut wird und man zu schnell alles will, kann es einen Rückfall geben. Deshalb kommt jede Neuerung erst dazu, wenn alles stabil ist.
Kurz für dich: Plane rund acht Wochen für die strenge Phase. Die Haut braucht länger als der Bauch, also bitte nicht zu früh aufhören.
Wie findest du danach den Auslöser?
Indem du frühere Zutaten einzeln und nacheinander wieder einführst und beobachtest, worauf dein Hund reagiert. Diesen Schritt lassen viele aus, dabei bringt erst er die eigentliche Antwort.
Geht es deinem Hund auf der Diät deutlich besser, kannst du zuerst gezielt das alte Futter oder eine frühere Hauptzutat anbieten. Kommen die Beschwerden zurück, weißt du sicher, dass der Napf eine Rolle spielt.
Danach baust du die Ration Stück für Stück aus. Bewährt hat sich, mit pflanzlichen Zutaten zu beginnen, weil Hunde darauf seltener reagieren. Später folgen einzelne Eiweißquellen. Immer gilt: eine neue Zutat, dann mindestens eine Woche beobachten, besser zwei. Die meisten Hunde reagieren innerhalb weniger Tage, manche brauchen aber länger. Zeigt sich eine Reaktion, kommt die Zutat auf die „rote Liste“. Bevor die nächste dran ist, sollten die Beschwerden wieder abgeklungen sein.
So entsteht am Ende eine Liste mit Zutaten, die dein Hund gut verträgt. Und du musst nicht für immer bei der engen Diätration bleiben.
Kurz für dich: Eine Zutat nach der anderen, jede mit genug Zeit. So findest du heraus, was dein Hund verträgt und was nicht.
Wie unterstützt du Darm und Haut dabei?
Mit einer gut verdaulichen Ration, einem gezielten Darmaufbau und den Nährstoffen, die die Haut für ihre Arbeit braucht. Das ist der Teil, für den Ernährungsberatung da ist. Er beginnt aber erst, wenn dein Hund auf der Diät stabil ist, und immer nur mit einer Neuerung zur Zeit.
Der Darm steht im Mittelpunkt. Eine hochverdauliche Ration entlastet ihn von Anfang an. Ist die Anfangsphase gut gelaufen, kommen nacheinander Bausteine für die Darmflora dazu: Ballaststoffe wie Inulin als Futter für die nützlichen Bakterien, fermentiertes Gemüse, ein passendes Probiotikum. Milchsäurebakterien aus Kefir oder Joghurt gehen nur, wenn die Milch von der Tierart stammt, die dein Hund ohnehin bekommt, zum Beispiel Ziegenkefir bei einer Ziegenration. Kuhmilch zählt selbst zu den häufigen Auslösern. Alles wird langsam eingeschlichen.
Die Haut braucht ihr Material. Einige Nährstoffe sind für sie besonders wichtig:
- Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungsberuhigend. Aus Fischöl kann der Hund sie besser nutzen als aus Pflanzenölen. Das Öl muss natürlich zur Diät passen.
- Zink braucht die Haut für Zellerneuerung und Wundheilung.
- Biotin und andere B-Vitamine sind am Hautstoffwechsel beteiligt. Bierhefe ist reich an B-Vitaminen.
- Vitamin A ist am Aufbau der Haut beteiligt. Hunde können es auch aus dem Betacarotin in Karotten oder Spinat bilden. Mit Leber und Lebertran ist dagegen Vorsicht geboten, denn zu viel Vitamin A schadet.
Nichts davon wirkt über Nacht. Zusammen geben diese Bausteine dem Körper aber das, was er braucht, um sich selbst zu regulieren. Wie viel davon dein Hund braucht, hängt von seiner Ration ab. Halte dich an die Herstellerangaben oder lass die Mengen berechnen.
Das Gute daran: Dieser Ansatz reicht über den akuten Fall hinaus. Ein stabiler Darm und eine gut versorgte Haut sind genauso Vorsorge, damit es gar nicht erst so weit kommt.
Kurz für dich: Erst stabil werden, dann Schritt für Schritt Darm und Haut versorgen. Immer nur eine Neuerung, damit du siehst, was guttut.
Bist du bereit für den Start?
Du bist bereit, wenn die Ursachen außerhalb des Napfs abgeklärt sind, die Zutaten feststehen und alle im Haushalt mitziehen. Diese Punkte helfen dir beim Prüfen:
- Andere Ursachen sind abgeklärt. Flöhe, Milben und Hautinfektionen hat die Tierarztpraxis angeschaut und, wenn nötig, behandelt.
- Du kennst die Futter-Vorgeschichte. Du hast aufgeschrieben, was dein Hund schon alles bekommen hat, auch Leckerlis und Kauartikel.
- Die Zutaten sind wirklich neu. Eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle, die dein Hund noch nie gefressen hat.
- Die Ration ist berechnet. Gerade bei Welpen und jungen Hunden ist das wichtig, weil sie sonst schnell zu wenig bekommen.
- Alle wissen Bescheid. Familie, Besuch, Hundesitter, alle füttern nur die Diät.
- Es gibt Ersatz-Leckerlis aus der Diätration. So musst du im Alltag nicht improvisieren.
- Das Tagebuch liegt bereit. Futter, Juckreiz, Kot und Fell, jeden Tag ein kurzer Eintrag.
- Du hast acht Wochen Geduld eingeplant. Am besten in einer Zeit ohne Urlaub oder große Veränderungen.
Kurz für dich: Gut vorbereitet ist halb geschafft. Je klarer der Start, desto klarer am Ende die Antwort.
Wo meine Arbeit endet
Ich bin Ernährungsberaterin, keine Tierärztin. Meine Arbeit ist Vorsorge und Begleitung über den Napf, nicht das Diagnostizieren oder Behandeln. Ob wirklich eine Futtermittelallergie vorliegt und ob andere Ursachen ausgeschlossen sind, gehört in die Tierarztpraxis.
Bitte geh direkt zur Tierärztin oder zum Tierarzt, wenn du eines dieser Zeichen siehst:
- Blut im Kot oder im Erbrochenen
- wiederholtes Erbrechen oder Durchfall, der länger als ein bis zwei Tage anhält
- dein Hund verliert an Gewicht, wirkt matt und teilnahmslos oder verweigert plötzlich das Futter
- plötzliche Schwellungen im Gesicht oder Atemnot, dann sofort
- nässende, eitrige oder stark schmerzende Hautstellen und Ohren
Eine verordnete Behandlung läuft während der Ausschlussdiät weiter. Wenn du etwas daran ändern möchtest, besprich es mit der Praxis. Ernährung und tierärztliche Begleitung arbeiten hier nebeneinander, nicht gegeneinander.
Kurz für dich: Bei Warnzeichen zuerst zum Tierarzt. Ernährung begleitet, sie ersetzt keine Untersuchung.
Häufige Fragen
Reicht ein Blut- oder Speicheltest, um den Auslöser zu finden?
Nein. Diese Tests können Hinweise geben, stimmen aber schlecht mit der tatsächlichen Reaktion des Hundes überein. Sie liegen oft in beide Richtungen daneben. Verlässlich ist nur die Ausschlussdiät mit anschließender Rückführung einzelner Zutaten.
Was ist der Unterschied zwischen Futtermittelallergie und Futtermittelunverträglichkeit?
Bei einer Allergie ist das Immunsystem beteiligt, bei einer Unverträglichkeit nicht. Im Alltag lässt sich beides kaum sicher unterscheiden, weil die Zeichen sich sehr ähneln. Für das Vorgehen spielt es zum Glück wenig Rolle: In beiden Fällen bringt die Ausschlussdiät Klarheit.
Kann ich die Ausschlussdiät selbst kochen?
Ja, selbst gekocht hast du die beste Kontrolle über jede Zutat. Eine Ration aus nur einer Fleisch- und einer Kohlenhydratquelle deckt aber nicht alles ab, vor allem bei Calcium, Fettsäuren und Spurenelementen. Für einige Wochen ist das bei einem gesunden erwachsenen Hund vertretbar. Für länger und bei Welpen sollte die Ration berechnet und gezielt ergänzt werden.
Kann ich für die Ausschlussdiät ein Fertigfutter nehmen?
Das geht, ist aber schwieriger, als es klingt. Frei verkäufliche Sorten mit nur einer Fleischsorte enthalten nicht selten weitere tierische Bestandteile, die nicht auf der Packung stehen. Es gibt auch Diätfuttermittel aus der Tierarztpraxis, bei denen das Eiweiß in sehr kleine Bausteine aufgespalten ist, damit der Körper es nicht mehr als Auslöser erkennt. Ob das für deinen Hund passt, besprichst du am besten mit deiner Tierärztin.
Muss ich das alte Futter am Ende wirklich noch einmal geben?
Für eine klare Antwort ja. Erst wenn die Beschwerden auf der Diät verschwinden und mit dem alten Futter zurückkommen, weißt du sicher, dass der Napf der Auslöser war. Ohne diesen Schritt bleibt der Speiseplan unnötig eng.
Kernaussagen
- Ganzjähriger Juckreiz, entzündete Ohren und wunde Pfoten sind typische, aber keine beweisenden Zeichen einer Futtermittelallergie beim Hund.
- Die Haut ist beim Hund ein Kommunikations- und Entgiftungsorgan und zeigt oft außen, was innen nicht im Gleichgewicht ist.
- Ein Sortenwechsel bringt selten Klarheit, weil „neue“ Eiweiße längst in vielen Futtersorten stecken und Packungsangaben nicht immer vollständig sind.
- Eine Ausschlussdiät besteht aus einer einzigen neuen Eiweiß- und einer einzigen neuen Kohlenhydratquelle und dauert in der strengen Phase rund acht Wochen.
- Den Auslöser zeigt erst die Rückführung, bei der frühere Zutaten einzeln wieder gefüttert werden.
- Blut- und Speicheltests ersetzen die Ausschlussdiät nicht.
Dein nächster Schritt
Auf dem Papier klingt eine Ausschlussdiät einfach. Im Alltag mit einem juckenden, unglücklichen Hund ist sie es selten. Welche Zutaten für genau deinen Hund neu sind, wie die Ration in der strengen Phase trotzdem ausreicht und wie die Rückführung abläuft, hängt von seiner Vorgeschichte ab.
Genau dafür sind der Futtermittelcheck und das Erstgespräch da. Wir schauen gemeinsam, was zu eurem Alltag passt, und gehen den Weg Schritt für Schritt.
Dein Hund kann dir nicht sagen, was ihm fehlt. Aber sein Fell, seine Haut und sein Verhalten am Napf reden die ganze Zeit mit dir. Wir müssen nur lernen, richtig hinzuhören.
Weiterlesen auf dem Blog:
- BARF für Einsteiger: Die häufigsten Fehler bei der Rationsberechnung
- Artgerechte Hundeernährung im Realitätscheck
Quellen
- Olivry, T., Mueller, R. S., Prélaud, P. (2015): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (1): duration of elimination diets“. BMC Veterinary Research, 11, 225. https://doi.org/10.1186/s12917-015-0541-3
- Mueller, R. S., Olivry, T., Prélaud, P. (2016): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and cats“. BMC Veterinary Research, 12, 9. https://doi.org/10.1186/s12917-016-0633-8
- Mueller, R. S., Olivry, T. (2017): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (4): can we diagnose adverse food reactions in dogs and cats with in vivo or in vitro tests?“. BMC Veterinary Research, 13, 275. https://doi.org/10.1186/s12917-017-1142-0
- Olivry, T., Mueller, R. S. (2018): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (5): discrepancies between ingredients and labeling in commercial pet foods“. BMC Veterinary Research, 14, 24. https://doi.org/10.1186/s12917-018-1346-y
- Olivry, T., Mueller, R. S. (2020): „Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (9): time to flare of cutaneous signs after a dietary challenge in dogs and cats with food allergies“. BMC Veterinary Research, 16, 158. https://doi.org/10.1186/s12917-020-02379-3
- Bexley, J., Nuttall, T. J., Hammerberg, B., Halliwell, R. E. (2017): „Co-sensitization and cross-reactivity between related and unrelated food allergens in dogs: a serological study“. Veterinary Dermatology, 28 (1), 31-e7. https://doi.org/10.1111/vde.12335
- Olivry, T., Bexley, J., Mougeot, I. (2017): „Extensive protein hydrolyzation is indispensable to prevent IgE-mediated poultry allergen recognition in dogs and cats“. BMC Veterinary Research, 13, 251. https://doi.org/10.1186/s12917-017-1183-4
- Craig, J. M. (2016): „Atopic dermatitis and the intestinal microbiota in humans and dogs“. Veterinary Medicine and Science, 2 (2), 95-105. https://doi.org/10.1002/vms3.24
Der naturheilkundliche Blick auf Haut, Darm und Milieu sowie der Ablauf der Ausschlussdiät beruhen auf meiner Ausbildung und Beratungspraxis.
Diana Duquenoy, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde. Abschluss des staatlich zugelassenen Fernlehrgangs Tierernährungsberater*in (Laudius, ZFU 7438923).
Veröffentlicht: 05.08.2026 · Aktualisiert: 19.10.2026
Hinweis: Dieser Ratgeber begleitet dich mit Wissen aus der Ernährungsberatung. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung und keine individuelle Rationsberechnung.


Kommentare
2 Kommentare zu „Futtermittelallergie beim Hund: Was die Haut dir zeigt und wie die Ausschlussdiät funktioniert“
[…] Nicht automatisch. Getreidefrei heißt nicht unbedingt frei von Kohlenhydraten, oft ersetzen Kartoffeln, Erbsen oder andere Hülsenfrüchte das Getreide. Für Hunde, die Getreide nachweislich schlecht vertragen, ist es eine sinnvolle Wahl. Für alle anderen ist „getreidefrei“ allein noch kein Qualitätsmerkmal. Wenn du vermutest, dass dein Hund auf ein Futter reagiert, hilft dir der Artikel über Futtermittelallergie und Ausschlussdiät. […]
[…] Futtermittelallergie und Ausschlussdiät beim Hund […]